Der letzte Romantiker

Das Etikett des "letzten Romantikers" ist ihm so oft angeheftet worden, daß ziemlich klar sein dürfte, von wem im folgenden die Rede ist: Von Hans Pfitzner, dem Streitbaren und auch 50 Jahre nach seinem Tod noch immer Umstrittenen. Zeitlebens hielt er an dem unbedingten Glauben an das romantische Erbe fest und stand damit oft quer zu seiner Zeit, zumal er immer wieder die Form der scharfen Auseinandersetzung nutzte. Es war die Haltung des Zuspätgeborenen, des Letzten einer langen Tradition, die seine Künstlerpersönlichkeit bestimmte und ihr – zumindest aus heutiger Sicht – eine gewisse Tragik verlieh.

Erst heute aber sehen wir auch immer klarer, daß das wirklich Bedeutende des Komponisten Pfitzner in dieser persönlichen Tragik, diesem Bewußtsein des Unzeitgemäßen begründet ist, weil er es schöpferisch fruchtbar machen konnte und aus ihm heraus ein unverwechselbares Gesamtwerk geschaffen hat, das mit seinen Schroffheiten, mit seinen Brüchen, mit seinen Wechselbädern von großem romantischen Schwung des Melos bis hin zu dissonanzenreichster, kompliziertester Kontrapunktik mehr über die musikästhetische Situation zu Beginn unseres Jahrhunderts aussagt, als die Musik seiner meisten Komponistenkollegen.

"Es gibt keinen Weg, der sicherer und tiefer in das Zentrum der unerschöpflich gegensatzreichen Pfitznerschen Natur führen könnte, als der über sein Lied", heißt es in Walter Abendroths Pfitzner-Biographie. Bedenkt man, daß Pfitzner, der bestimmt kein Vielschreiber war, bei einer Gesamt-Opuszahl von 56 über 115 Lieder komponiert hat, so wird man sagen müssen, daß das Liedschaffen in seinem Lebenswerk zentrale Bedeutung hat. Seine ersten Werke überhaupt waren Lieder – die erst 1933 von ihm selbst veröffentlichten Jugendlieder aus den Jahren 1884-87 – und von da an begleitete sein Liedschaffen die übrige Produktion recht gleichmäßig verteilt bis ins Jahr 1931, in dem er 62jährig mit den drei Sonetten op. 41 die letzten Werke dieser Gattung veröffentlichte. Schon in den Jugendwerken ist sein ganz eigener Stil ausgeprägt, findet seine Sehnsucht nach den versunkenen Gärten der Romantik ihren unnachahmlichen Ausdruck. Nicht ohne Grund steht ein Dichter im Mittelpunkt aller Vertonungen: Joseph von Eichendorff, dessen Naturbeschwörungen Pfitzners Ästhetik wohl am meisten entsprach und dem er sich wesensverwandt fühlte.

Wer sich mit dem romantischen Lied beschäftigt, hat jedenfalls ohne Hans Pfitzners Beiträge zu dieser Gattung nur ein sehr unvollständiges Bild. Umso erstaunlicher, daß es bisher noch keine Gesamtaufnahme dieser wahren Juwelen gab. cpo schafft nun Abhilfe: Eine philologisch einwandfreie Gesamtedition mit hochkarätigen Solisten, 5 CDs in chronologischer Reihenfolge und mit den von Pfitzner vorgeschriebenen originalen Stimmlagen. Das Konzept war, jeden Solisten von seinem Wunschpianisten begleiten zu lassen: Julie Kaufmann, Sopran mit Donald Sulzen; Iris Vermillion, Mezzosopran mit Axel Bauni; Christoph Prégardien, Tenor mit Michael Gees und Andreas Schmidt, Bariton und Robert Holl, Baß mit Rudolf Jansen. Ein Meilenstein in der Diskographie des deutschen Liedes!

Burkhard Schmilgun

Vol. 1: cpo 999 228-2 Vol. 2: cpo 999 364-2
Vol. 3: cpo 999 461-2 Vol. 4: cpo 999 490-2
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Stand: 3. Mai 2006