Kurt Atterberg: Ein großer schwedischer Symphoniker

Daß in Schweden offensichtlich große Symphonik gut gedeihen kann, hat cpo mit seinen Editionen von Rangström, Peterson-Berger, Wirén und Pettersson wohl hinlänglich dokumentiert. Nun steht eine neue Entdeckung an: Kurt Atterberg (1877–1974). Schon seine Biographie dürfte in ihrem Nebeneinander von öffentlichen Ämtern und unzähligen organisatorischen Tätigkeiten und einer schier unerschöpflichen, sich ganz aus romantischem Geist speisenden Kreativität absolut einmalig sein.

So war er an der Gründung der schwedischen Komponistenvereinigung ebenso federführend beteiligt wie an der Einrichtung des "STIM", der schwedischen "GEMA". Für zwei Jahrzehnte stand er beiden Organisationen als Präsident vor, engagierte sich in der Internationalen Komponistenvereinigung und wurde zum Sekretär der Königlichen Musikakademie gewählt.

Mit welcher Effizienz er all diese Ämter ausfüllte nebenbei noch weltweit dirigierte und mit welcher Selbstdisziplin er komponierte, läßt sich nur erahnen, bedenkt man, daß er Zeit seines Lebens im Stockholmer Patentamt seiner eigentlichen Profession als studierter Elektroingenieur nachging.

Wie komponiert ein solch "verbeamteter", beruflich naturwissenschaftlich ausgerichteter Mensch? Trocken, blutleer, technizistisch? Weit gefehlt! Es gibt wohl kaum eine prachtvollere, melodiengesättigtere spätromantische Tonsprache als z.B. in seinen neun Sinfonien. Die großen Dirigenten seiner Zeit erkannten das sofort und rissen sich um die Aufführungen: Richard Strauss, Nikisch, Abendroth, Toscanini: alle hatten ihren Atterberg im Repertoire. Diese Musik spricht sofort an, ist voller Dramatik und rhythmischer Impulse und oft mit einer Prise wohldosierter schwedischer Folklore.

cpo hat nun mit der ersten Gesamteinspielung aller Sinfonien aus einer Hand begonnen: der des jungen finnischen Jungstar-Dirigenten Ari Rasilainen. Das diese Wahl ein Glücksgriff war, zeigen schon die Kritiken zur ersten CD mit der ersten und vierten Sinfonie: "Choc" von Le Monde de la Musique, "Recommandé" von Répertoire und "editor's choice" von Gramophone. Auch beim Hören der weiteren Veröffentlichungen werden Sie dem Kritiker der französischen Diapason zustimmen: "Splendide!"

Burkhard Schmilgun

 

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Stand: 3. Mai 2006